MUKOinfo 4/25: Alleinerziehend
Alleinerziehend mit Mukoviszidose Zwischen medizinischer Versorgung, familiärer Verantwortung und psychosozialer Belastung
Alleinerziehende Elternteile mit Muko- viszidose (CF) befinden sich in einer besonders herausfordernden Lebens- situation. Neben den Anforderungen der Elternrolle, müssen sie mit den weit reichenden gesundheitlichen Belastun gen einer chronisch fortschreitenden Erkrankung umgehen. Der Spagat zwischen Therapie, Kinderbetreuung, Beruf und Alltagsorganisation ist enorm – oft begleitet von sozialer Isolation, finanziellen Sorgen und fehlender Un terstützung. Im Sozialdienst der Ruhrlandklinik be gleiten wir diese Patienten engmaschig und umfassend. Unser interdisziplinäres Team – bestehend aus Ärzten, Pflege- und psychologischen Fachkräften, Er nährungsberatern, Physiotherapeuten und Sozialarbeitern – setzt sich dafür ein, gemeinsam mit den Betroffenen tragfähige Lösungen für ihren Alltag zu entwickeln und bestehende Ressourcen zu stärken. Therapiealltag und medizinische Versorgung – zwischen Pflicht und Überforderung Die täglichen Therapien bei Mukoviszi dose sind intensiv und zeitaufwändig: Inhalationen, regelmäßige Physiothera pie und zahlreiche medizinische Termi ne müssen in einen ohnehin durchge takteten Alltag integriert werden. Bei vielen unserer Patienten erfolgt die Versorgung nicht nur ambulant – auch wiederholte stationäre Aufenthalte sind notwendig, etwa bei Infekten oder zur Durchführung spezieller Therapi en. Gerade für alleinerziehende Eltern stellt dies eine große Herausforderung
Gemeinsame Zeit verbringen ist am Wichtigsten
dar: Wer kümmert sich um das Kind bei einem ungeplanten Krankenhausauf enthalt? Wie lässt sich der Tagesablauf organisieren, wenn die Therapie meh rere Stunden in Anspruch nimmt? Hinzu kommt, dass spezialisierte CF-Zentren nicht immer in Wohnortnähe liegen – ein zusätzlicher zeitlicher und organisato rischer Aufwand, den viele Betroffene alleine stemmen müssen. Um häusliche Entlastung zu ermögli chen, beraten wir zu sozialrechtlichen Fragen und unterstützen bei der Be antragung oder Höherstufung eines Pflegegrades. Zudem begleiten wir bei Erstanträgen oder Änderungen im Schwerbehindertenrecht, um Nachteils- ausgleiche geltend zu machen. Familiäre Belastungen und fehlende Netzwerke Viele unserer Patienten leben ohne ver lässliche Unterstützung im familiären Umfeld. Zwar haben einige Großeltern
oder Freunde, die bei der Kinderbetreu ung einspringen, doch in vielen Fällen existieren solche Netzwerke nicht. Häu fig sind die Familienverhältnisse zerrüt tet, Kontakte zu Herkunftsfamilien ab gebrochen oder mit Konflikten belastet. Besonders belastend sind anhaltende fa milienrechtliche Auseinandersetzungen, etwa um das Sorgerecht. Eine unserer Patientinnen ist Mutter einer achtjähri gen Tochter und berichtete von einem über sechs Jahre andauernden Sorge rechtsstreit. Solche Situationen führen zu erheblichem emotionalen Stress und können sich negativ auf den Gesund heitszustand und die regelmäßige Durch führung der Therapien auswirken. Die soziale Isolation, die viele Alleiner ziehende erleben, erschwert zusätzlich den Aufbau unterstützender Netzwerke. Die verfügbare Zeit reicht oft nicht aus, um neue Kontakte zu knüpfen oder Hilfe aktiv einzuholen.
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Schwerpunkt-Thema: Alleinerziehend
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