MUKOinfo 4/25: Alleinerziehend
Ein enormer Kraftakt Ohne verständnisvollen Arbeitgeber nicht möglich
Ilona hat zwei Kinder (sechs und acht Jahre alt), die beide Mukoviszidose haben. Seit vier Jahren ist sie alleinerziehend. Mit ihrem Leserbrief möchte sie auf die besonderen Herausforderungen aufmerksam machen, mit denen viele Familien, vor allem Alleinerziehende, tagtäglich konfrontiert sind.
Meine beiden Kinder haben Pflegegrad 2. Damit habe ich the oretisch Anspruch auf Unterstützung, zum Beispiel durch eine Haushaltshilfe. In der Praxis ist es jedoch extrem schwierig, verlässlich Hilfe zu finden. Personalmangel, Krankheitsaus- fälle und kurzfristige Absagen sind leider eher die Regel als die Ausnahme – was mich immer wieder vor große organisa- torische Herausforderungen stellt. Ich arbeite 25 Stunden pro Woche – nicht, weil ich es so will, sondern weil mir keine andere Möglichkeit bleibt. Mehr zu arbeiten ist derzeit schlichtweg nicht machbar, auch wenn es aus finanzieller Sicht nötig wäre. Für jede Arztfahrt oder Klinik- untersuchung muss ich Urlaub nehmen, da ich niemanden habe, der mich entlastet. Zum Glück zeigt mein Arbeitgeber großes Verständnis für meine Situation – das weiß ich sehr zu schätzen, denn es ist nicht selbstverständlich. Der Vater meiner Kinder lebt in einem anderen Bundesland und übernimmt keine Arzttermine oder Betreuung. Die Groß- eltern können aus gesundheitlichen Gründen nicht helfen oder leben nicht mehr. Damit bleibt alles – medizinische Ver sorgung, emotionale Fürsorge, Alltag, Haushalt und Beruf – an mir hängen. Es ist ein enormer Kraftakt, Tag für Tag. Besonders wertvoll sind meine guten Freunde, die mir zur Seite stehen, sowie Familien-Reha-Angebote, die uns ermög lichen, gemeinsam Kraft zu tanken. Außerdem ist der Aus tausch mit anderen betroffenen Familien, z. B. über den Mukoviszidose e.V. oder die Selbsthilfegruppen wertvoll – dort erfahre ich Verständnis, Solidarität und von Hilfsange- boten, die mir sonst verborgen geblieben wären. Organisation von Arztterminen und Untersuchungen sehr schwierig
Ilona kämpft Tag für Tag für ihre beiden Kinder.
Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung und finanzieller Entlastung
Ich liebe meine Kinder über alles – sie sind stark, tapfer und voller Lebensfreude; sie geben mir Mut. Aber niemand sollte diesen Weg ganz allein gehen müssen. Ich wünsche mir mehr gesellschaftliche Anerkennung, finanzielle Entlastung und echte, unbürokratische Hilfe für Familien mit chronisch kran ken Kindern – insbesondere für Alleinerziehende, die täglich an ihre Grenzen gehen. Es braucht nicht nur theoretische An sprüche, sondern verlässliche Strukturen, die im Alltag wirk lich entlasten: bezahlbare Betreuung, stabile Pflegedienste, flexible Arbeitsmodelle und finanzielle Unterstützung, die der Realität entspricht.
Ilona Otto
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